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Eine erlebte Brauereibesichtigung

Ich will nicht aufzählen, was ich in der Brauerei erlebt habe, sondern ich möchte Sie verführen.

Gießen Sie sich ein Glas Neuzeller Schwarzer Abt ein, lehnen Sie sich im Sessel zurück und schließen Sie die Augen. Riechen Sie den Duft von frisch gemahlenem Malz. Er erinnert an Kindheit, an Großmutters Ofenbank am Kachelofen und an das Aroma frischen Malzkaffees. Steigen Sie mit mir, in Gedanken in dem historischen Gebäude der Brauerei, die schmalen Gänge hinauf zum Kornboden. Auf dem blank gescheuerten alten Holzboden lagern Säcke mit Malz und Korn. Es duftet wie Sommer, wenn man mitten im Kornfeld steht. Ein Gefühl der Geborgenheit, des Wohlfühlens wird erlebbar. Kein Mönch schüttet das Korn in die große Mühle, sondern ein junger Mann im blauen Arbeitsanzug. Er stört jedoch nicht die Empfindungen des historischen Raumes, sondern ist eins mit dem Raum und seinem Handwerk. Die Bilder aus anderen Brauereien, wo der Besucher nur blitzende Edelstahltanks, Rohrleitungen, Fertiggemische und Computer sieht, entrücken unwirklich in eine ferne Welt.

Besuchen Sie in Gedanken mit mir die kleine evangelische Kirche am Rande des Klostergeländes. Es riecht nach Staub, altem Staub, der nicht entfernt werden kann, weil über die Jahrhunderte der Holzwurm gefräßig war. Normales Staubwischen könnte die Kunstwerke unwiederbringlich zerstören. Die Vergänglichkeit von Reichtum und Schönheit dringt tief ins Bewusstsein ein. Sie betreten die große katholische Stiftskirche und es wird still um Sie herum. Vor dem Altar angekommen, hören Sie Ihre eigenen leisen Worte, wie sie durch den Raum getragen werden. Die Kirche zieht Sie in ihren Bann. Sie möchten allein sein, nur Sie und die Kirche. Sie unterdrücken den Wunsch zu singen und verlassen die Kirche, um den überwältigenden Gefühlen zu entfliehen.

Gehen Sie mit mir auf der endlos erscheinenden Treppe in den Klostergarten hinab. Stellen Sie sich die Rasenmäher vor, die an Seilen die steilen Hänge hinab gelassen werden und die gebeugten Rücken der Gärtner, die mit der Schere den Rasen auf den geformten Böden des Mittelteils schneiden. Spüren Sie die Kälte, die das karge Klosterleben der Mönche begleitet hat und treten in das Landhotel "Prinz Albrecht". Warme Gemütlichkeit tut sich vor Ihnen auf. Das Aroma des Kirschglühbieres begrüßt Sie. Während Sie den Ruhe bringenden Ausblick auf den stillen Teich, das Kloster und die Brauerei genießen, versinken Sie in Gedanken und das Erlebte zieht noch einmal vor Ihren Augen vorbei.

Ein unvergesslich schöner Tag nähert sich dem Ende und mit Wehmut nehme ich Abschied von Neuzelle in der Gewissheit, dass ich wiederkommen werde.

 

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